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#Münzen Deutsches Reich 50 Pfennig von 1922, 200 Mark von 1923, 5 Rentenpfennig von 1924

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"Im Westen nichts Neues" im Schauspielhaus, Hannover

Gestern Abend habe ich “Im Westen nichts Neues” im Schauspielhaus gesehen und entgegen der überschwänglichen Lobpreisung in derHannoversche Allgemeine Zeitung / HAZ gab es einige Dinge, die mir nicht ganz so gut gefielen:
Ich möchte voranstellen, dass ich die Idee, Handgranaten durch schwarze und rote Farbbeutel darzustellen, die Schritt für Schritt die vermeintlich heile Welt des Bürgertums zerstören und den Krieg symbolisch in dessen Wohnzimmer bringen, sehr gut fand. Dass die Soldaten durch derartige Farbspritzer zunehmend unkenntlich gemacht und dadurch entmenschlicht wurden, war eindrucksvoll und wird sicherlich der Idee des Romans gerecht. Auch dass sich die Toten entkleideten, war ein guter Einfall. Dennoch frage ich mich, wieso sie dann Unterhose und Socken anbehielten. Sind wir mit Socken und Unterhose auf die Welt gekommen oder war das ein Zugeständnis an das Publikum, das größtenteils 50+ war? So sehr ich also die Abstraktion des Bühnenbilds schätze, in einigen Teilen ging sie mir zu weit. Selbst die Geräuschkulisse war abstrakt. Dass man keinen realistischen Granattrichter auf der Bühne errichten kann, ohne dass es bemüht und künstlich wirkt, leuchtet mir ein, doch beim Sound hätte ich mir mehr Authentizität gewünscht, um beim Zuschauer größere Bedrückung hervorzurufen. Dafür, dass bis auf die Kostüme, Eimer, Farbbeutel und Zigaretten auf Requisiten verzichtet wurde, fand ich es umso erstaunlicher, dass gerade ein echtes Spanferkel auf die Bühne gebracht, zerfleddert, angebissen und in seinen Einzelteilen weggeworfen wurde. Ich bin keine Vegetarierin, aber ein Tier zuzubereiten, das dann nicht gegessen wird, finde ich, milde ausgedrückt, abartig, und ich sehe nicht wie gerade dieses Requisit essentiell für die Inszenierung gewesen wäre.
Weiterhin denke ich, dass es der Inszenierung an Eigenständigkeit fehlte. Zwar würde ich die Grenzen zwischen den Gattungen Epik und Dramatik nicht zu eng ziehen, aber wenn es auf der Bühne so etwas wie eine Erzählerinstanz geben soll, dann muss das ebenfalls einen guten Grund haben. In diesem Fall war es so, dass es zwar einzelne Charaktere gab, die Erzählerstimme Paul Bäumers jedoch unter allen aufgeteilt wurde und sie in Form von chorischem Sprechen miteinander verschmolzen. Ich sehe, worauf der Regisseur damit abzielt. Im Krieg gibt es eben keine Individuen, es gibt nur Soldaten. Allerdings fand ich diese Idee nicht ganz durchdacht. Entweder hätte man mit dem Widerspruch zwischen “junger Mann mit individueller Vergangenheit” und “Teil einer namenlosen Masse” gespielt beziehungsweise den Übergang von dem einen Stadium ins andere langsam aufgebaut, was nicht der Fall war, oder man hätte gleich auf alle Namen und was die unterschiedlichen Figuren auszeichnete (wie Unterschiede in der Uniform) verzichtet. So aber, wie der Regisseur es gemacht hat, wurde gar nichts erreicht. Man konnte sich nicht mit den Figuren identifizieren, durch die Erzählerinstanz wurde eine zusätzliche Distanz aufgebaut und das Schicksal Pauls hat einen hundertfach weniger berührt als beim Lesen des Romans. Krieg ist nichts, was man intellektuell begreifen kann, das geht nur emotional und diese Chance wurde meiner Ansicht nach in dieser Inszenierung verschenkt.

Sehr sehr hübsch, junge Dame!
Anonymous

Merci 😊