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Tagebuch 1907/08

Mit ist es jetzt gelungen, die Geheimschrift in meinem Tagebuch zu entschlüsseln. Hier nun also der komplette Text, falls es jemanden interessiert. Einige Wörter waren dennoch unleserlich, (weil durchgestrichen, überklebt, weggeext…)

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Hochzeiten

Vor einiger Zeit war ich auf der Hochzeit meines Cousins eingeladen. Es war die erste Hochzeit, die ich jemals besuchte und dennoch stand ich der ganzen Sachen etwas reserviert gegenüber. Schließlich brauchte ich ein Kleid und zu dem Kleid passende Schuhe, Tasche, Jäckchen sowie farblich abgestimmten Nagellack und Lippenstift. Alles in allem ein relativ teures Unterfangen, weshalb ich darauf Wert gelegt habe, dass ich das Kleid auf jeden Fall auch zu anderen Anlässen tragen kann. Doch um ehrlich zu sein, freut man sich als Mädchen immer, wenn man einen Grund geliefert bekommt, sich selbst etwas Schönes kaufen zu können. Beerdigungen bilden da keine Ausnahme und schwarz kann man schließlich immer tragen.

Da es meine erste Hochzeit war, wusste ich also nicht so recht, was ich zu erwarten hatten. Leider musste ich feststellen, dass sich das Paar keineswegs ebenso viel Mühe mit der Bekleidung gegeben hatte. Der Bräutigam trug wahrhaftig braune Schuhe zu einem blauen Anzug. Sollte ich verpasst haben, dass so was inzwischen akzeptabel ist, handelt es sich bei Shopping Queen um ein weniger gutes Bildungsprogramm, als ich bislang angenommen hatte. Bisher war meine Vorstellung von der Eheschließung im Wesentlichen durch drittklassige amerikanische Spielfilme und TV-Serien geprägt. Würde die Braut etwas Altes, etwas Neues, etwas Blaues und etwas Geborgtes an sich tragen? Würde es Brautjungfern geben, würde sie zum Hochzeitsmarsch in die Kirche schreiten, würde der Pfarrer auffordern: “Wer Einwände gegen diese Verbindung hat, möge jetzt reden oder für immer schweigen”. Ich hoffte inständig, dies würde nicht geschehen, denn die Hochzeitsgesellschaft hätte eine ausführliche Diskussion über Sinn und Zweck der Ehe sicherlich nicht so geschätzt wie ich.

Vor allem die Tatsache, dass ein bereits verheiratetes Paar seinen Schwur nach ein paar Monaten noch einmal in einer Kirche wiederholt, ließ die ganze Angelegenheit für mich absurd erscheinen. Aber wie heißt es so schön: doppelt hält besser. Zum Glück wurde auch auf Hochzeitsmarsch, Brautjungfern und das Streuen von Blumen, Reis oder anderen Naturprodukten verzichtet. Kitschig war es ohnedies. Selbstverständlich wurde die Trauung unter obligatorischer Mitwirkung kleiner, niedlicher, aber sich bis über beide Ohren schämender Kinder vollzogen. Anscheinend kann die Indoktrination nicht früh genug beginnen. Was der musikalischen Gestaltung der Zeremonie an überkommenen Traditionen fehlte, wurde durch sinkendes Niveau vollkommen aufgewogen. Es wurde dafür eine Sängerin engagiert, die wohl für Hochzeiten gut genug war, aber es bei DSDS nicht weit gebracht hätte. Nach einer englischsprachigen Liebesballade, deren Text man zum Glück nicht verstand, folgte eine deutsche gefolgt von einer auf Kölsch. Ich denke, dies bedarf keines weiteren Kommentars.

Natürlich war auch das Publikum nicht untätig, da Gottesdienste ja, wie man weiß, so eine Art Mitmachtheater sind. Gesungen werde musste also das allseits bekannte Lied “Danke”, dessen Strophen das Brautpaar im Vorfeld zum Anlass passend umgedichtet hatte, ähnlich wie Oliver Kalkhofe einmal “Danke für die FDP. Irgendeinen Sinn wird sie schon haben, auch wenn ich ihn nicht seh” zum Besten gab. Der Version des Brautpaares fehlte leider dieser scharfe Witz, interessant war jedoch, dass sich unter anderem für “vergebene Schuld” bedankt wurde, was mich natürlich sofort an eine Affäre denken ließ und selbstredend mein Interesse weckte. Leider war mir klar, dass eine Hochzeit denkbar ungeeignet dazu ist, an so einer Stelle weiter nachzuhaken. Der Priester stellte dann auch sogleich klar, dass das Brautpaar für einander bestimmt sei und ferner Mann und Frau füreinander bestimmt seien. Diese Stelle stieß mir als latent homophob auf, doch im Anschluss an die Trauung gestand mir ausgerechnet die lesbische Geliebte der Ex-Frau meines toten Onkels, dass ihr während der Zeremonie Tränen in die Augen geschossen seien und ich gehe davon aus, sie meinte Tränen der Freude.

Überhaupt strotze die ganze Veranstaltung von überholten Geschlechterrollenvorstellungen. “Wo du hingehst, dahin gehe ich auch. Wo du bleibst, da bleibe ich auch”; diese angeblichen Worte einer gewissen Ruth, nicht dass ich jemals zuvor von ihr gehört hätte, wählte sich das Paar als Trauspruch. Wenn das nicht eine gewisse Abhängig der Frau vom Mann impliziert, dann weiß ich auch nicht. Wahrscheinlich musste dieser Trauspruch kompensieren, dass sich in vorliegenden Fall wahrhaftig der Bräutigam in finanzieller Abhängigkeit von der Braut befindet. Während ich also auf der Kirchenbank saß oder davor stand und mir klar wurde, dass sich evangelische Gottesdienste von katholischen lediglich im Umfang der geforderten Bankgymnastik und in den Verzehrgewohnheiten unterscheiden, erschien mir das ganze immer abgedrehter. Können sich zwei Menschen nur mit “Gottes Hilfe” treu bleiben? Welchen Wert hat überhaupt eine Liebe, die man sich im Angesicht eines imaginären Wesens verspricht? Gibt es Leute, die glauben, was sie da sagen, oder werden sie viel mehr von einer Faszination für anachronistische Rituale getrieben, etwa so, wie andere Leute auf Flohmärkten nach Biedermeier Mobiliar suchen? 

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Die anschließende Feier fand in einem historischen Gebäude im botanischen Garten statt. Da wurde mir klar, dass ich nicht als einzige viel Geld für diesen Anlass ausgegeben hatte. Der Saal war komplett in lila und grün dekoriert und von Tischkärtchen über Teelichtgläser bis zu Tabletts war alles mit den Initialen des Brutpaares und zwei Vögelchen verziert. Wie man so viel Geld, Zeit und Mühe investieren kann, nur um die Großeltern und die Verwandtschaft vom Lande zufriedenzustellen, war mir jedoch unverständlich. In der Tat wurden hauptsächlich Verwandte und nur wenige, größtenteils ebenfalls verheiratete Freunde eingeladen, was meine Hoffnungen, an diesem Abend auf irgendeine Weise Spaß zu haben, leider zerschlug. Schlimmer noch, ich kam mir gänzlich sozial isoliert vor, da ich mich in der neunten Klasse dazu entschlossen hatte, dem Druck meiner Peer-Group zu widerstehen und nicht an einem Tanzkurs teilzunehmen. Nie hätte ich gedacht, dass ich auf meine Frage: “Wozu braucht man so was heute überhaupt noch?”, jemals eine Antwort erhalten würde.

Während sich also die Damen in ihren schwarzen oder nudefarbenen Polyesterfummeln auf der Tanzfläche drehten, saß ich in meinem roten Rockabilly-Kleid auf einem der mit Hussen (ein Wort, dass ich extra googlen musste) bedeckten Stühle und versuchte, mein Handy nicht aus der Tasche zu ziehen. Nachdem mich die eigentliche Trauung in meiner Erwartungshaltung etwas enttäuscht hatte, verpasste ich auch noch den Moment, der mich endlich wie die Nebenfigur in einer Soap hätte fühlen lassen können. Während ich mich auf einem Spaziergang im wirklich sehr schönen botanischen Garten befand und dort die Highlights meines Abends erlebte, als ich eine Katze streichelte und einen Frosch vom Gehweg rettete, wurde der Brautstrauß geworfen. Alles in allem war ich jedoch froh, darum herum gekommen zu sein, so tun zu müssen, als hätte es mich wirklich interessiert, diesen Strauß zu fangen. Womöglich zum Teil aufgrund meiner Abwesenheit hat ihn dann auch die Richtige erwischt. Meine geistig etwas zurückgebliebene Cousine, die Gott sei Dank nicht die bittere Ironie ihres Erfolgs versteht und die sich, auch wenn sie niemals einen Mann finden wird, zumindest an den inzwischen getrockneten Blumen erfreuen kann.

Später stellte ich fest, dass das Fangen meinerseits sowieso nicht erwünscht schien, denn wie sich herausstellte, enthielten die kleinen lila Beutelchen, die neben den Namensschildern auf den Tischen lagen, außer Blumensamen (zum Heranzüchten eines eigenen Brautstraußes, wie ich annehme, oder zur als Symbol dessen, dass die beiden endlich vögeln dürfen) auch kleine Zettelchen mit mehr oder weniger persönlichen Botschaften. Während meiner Schwester und meinen Cousinen Glück beim Fangen des Brautstraußes gewünscht wurde, stand auf meinem: “Wir hoffen, der DJ spielt zu späterer Stunde auch etwas nach deinem Geschmack”, als wenn mir ins Gesicht geschrieben stünde, dass ich nur rein sexuelle Beziehungen zu Jungs in Hardcorebands pflege. Bevor sie gingen, durften sich noch alle Gäste mit Daumenabdruck und Unterschrift auf einer Leinwand verewigen, die einen kahlen Baum zeigte, auf dem ebenfalls zwei Vögel saßen. Die Daumenabdrücke sollten dabei die Blätter des Baumes darstellen. Da sich die Freunde des Paares nicht sehr gut abgesprochen hatten, waren von diesen Leinwänden sogar zwei vorhanden, was sich umso besser trifft, weil die beiden sicherlich noch zwei Ehrenplätze an ihren Wänden frei haben und natürlich weil jeder von beiden eines behalten kann, sollte Gottes Hilfe nicht ausreichen, erneute Schuld zu verzeihen. 

.. dann hast Du aber nur an den "richtigen" Stellen abgenommen ;-) .... also hmmmm schwer zu raten ... sieht nach nem "Sport-Unfall" aus?
Anonymous

Genau, Sport… Mit meiner Taille war ich eigentlich vorher schon recht zufrieden, Hüfte is leider immer noch sehr “weiblich”

Wow, 3cm sind ja mal ein richtiger Erfolg! Gratuliere… und Autsch… wie ist denn der blaue Fleck da passiert?
Anonymous

Es war im Prinzip ein Zentimeter pro Kilo, 3kg is ja jetzt nicht sooo viel. Aber danke. Haha, rate mal?

I thought “summer” would ruin my plans to dress as slutty as possible before I have to look like a teacher again, but no… This does

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Just in case you wondered if my “diet” shows any results… It’s been 64cm before :)

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Hallo, schönes Wochende!
Anonymous

Danke :) Dir auch!

Wie sehen denn jetzt deine beruflichen Pläne für die nächste Zeit aus?
Anonymous

Ich glaube, das hatte ich schon mal beantwortet… Scroll mal n bisschen ;)